Pauler, Roland: Bärentöter – Der Auserwählte

Pauler, Roland Bärentöter 978-3-944788-38-8 Fabulus-Verlag

Pauler, Roland
Bärentöter
978-3-944788-38-8
Fabulus-Verlag

Inhalt:

Im Schicksalsjahr 1348 begleitet der Bauernjunge Wilfried einen Viehtreck durch Bayern. Während die Pest bereits in Italien wütet, treiben gewissenlose Räuber ihr Unwesen und schrecken auch nicht vor heidnischen Ritualen zurück. Dem stellt sich der Vierzehnjährige beherzt entgegen. Nachdem er Bären und Wölfe bezwungen hat, hält man ihn für einen Auserwählten; als der Graf von Straubing in ihm seinen unehelichen Sohn erkennt und ihn als Erben einsetzt, scheint Wilfrieds Glück vollkommen. Doch mit seinem Eintreten für Gerechtigkeit und die Überwindung von Standesschranken verstößt er gegen die geltende Ordnung. Das ist nicht nur den Wotansbrüdern ein Dorn im Auge. Die Mitglieder des Geheimbunds holen zum tödlichen Schlag gegen Wilfried aus.

 

Meine Meinung:     ***Vorsicht Spoiler***

Ich bin seit einiger Zeit viele Fantasy-Geschichten am lesen und bin dadurch wahrscheinlich sehr vorbelastet an dieses ja eher realistisch-fiktive Buch über die Welt im Mittelalter heran gegangen. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mit der Geschichte halbwegs warm wurde.

Auf den ersten Seiten erzählt der Autor sehr interessant in vielen Einzelheiten, wie das Leben im Mittelalter wirklich war. Dieses Vermischen von Fakten und Handlung um Wilfried war bis zum Schluss gut eingepasst in die Geschichte. Den Leser erwarten viele Einsichten ins echte Leben im Mittelalter. Vieles davon war gewöhnungsbedürftig und passt natürlich nicht mehr in die heutige Zeit. Z.B. das einem Dieb die Hand abgehackt wird, wenn er aus Hunger stielt oder wildert.

Im ersten Drittel wird eine Szene beschrieben, in der Wilfried einen Traum hat. Der Traum hat zu Wilfrieds Gedanken gepasst, war mir aber viel zu ausführlich beschrieben und in die Länge gezogen.

Die weitere Geschichte wird ziemlich rasant und für mich allzu „glatt“ erzählt. Wie der 14 jährige Bauer Wilfried, der noch nie woanders war, der nie kämpfen und reiten gelernt hat, dies alles in gefühlten 3 Tagen erlernt. Unterwegs mit den Viehtreibern kämpft er alleine gegen Wölfe, tötet mehrere Räuber und schließlich noch einen Bären. Immer ist er der Held. Das ist in einer Gruppe von gestandenen und erfahrenen Männern für mich einfach nicht glaubwürdig und es ging mir beim Lesen „gegen den Strich“.

In einem Nachwort auf Seite 287 fragt der Autor:

„Stell dir vor das Schicksal schenkt dir von heute auf morgen Reichtum um Macht. Du kannst dadurch deine unmittelbare Umgebung nach deinen Vorstellungen verändern. Was tust du?“

Diese Frage beantwortet sich in Wilfrieds Fall in der zweiten Hälfte des Buches, die für mich angenehmer zu lesen war. Das wirkt auch schon recht glaubhaft aus Wilfrieds Perspektive, da er weiß, was Armut bedeutet und auch mit seinem neuen mächtigen Vater die eigene Herkunft nicht vergisst. Allerdings werden mir Wilfried und sein Vater zu sehr als „Gut-Mensch“ dargestellt. Vor allem die Wandlung von Wilfrieds Vater geschieht zu schnell. Auch dass er plötzlich nach Wilfrieds Mutter schicken lässt und ihr einen Bauernhof schenkt, ist zwar erklärt und auch einleuchtend, aber es war so abgehackt, es traf mich als Leser so unvorbereitet. Wilfried wandelt sich für meinen Geschmack auch zu schnell von einem Bauern in einen Burgherren-Sohn. Er kann auf einmal schreiben, auch wenn es dann so erklärt wurde, dass seine Mutter ihm „Zeichen“ mit einem Stöckchen in den Dreck malte. Er stellt kluge Fragen, und die Erwachsenen sind stolz auf ihn, weil er diese Fragen stellt. So geht es an vielen Stellen auch um Gott, den Papst und den Glauben. Es soll wohl damit angedeutet werden, dass seine Abstammung schon immer in ihm geschlummert hat. Er hilft den Armen und Schwachen, und scheut sich auch nicht, vor einer Menschenmenge zu sprechen. Die Einwohner der Stadt jubeln ihm zu, und er genießt das Bad in der Menge wie ein Popstar. Stellenweise empfand ich Wilfried als naiv und zu sehr darauf aus, den Erwachsenen zu gefallen.

Auch am Schluss gibt es für mich zu viele glückliche Wendungen, die einfach zu schnell daher kommen. Ich dachte gerade daran, evtl. wäre eine ausführlichere Entwicklungsgeschichte vom Kind zum Mann eingehender gewesen. Dann hätte man aus diesen Band locker drei Bände machen können, etwas, dass viele ja auch wiederum immer wieder bemängeln.

Fazit:

Das Setting und die Idee dieser Geschichte (aus Bauerssohn wird Gutsherren-Sohn) mit vielen Fakten zum Mittelalter gefiel mir sehr gut. Allerdings ging mir als Erwachsene die Entwicklung von Wilfried von „Kind zu Mann“ viel zu rasant daher und war daher nicht ganz nachvollziehbar für mich. Zu viele Heldentaten, zu viele „Gut-Mensch“-Taten in kürzester Zeit. Die Geschichte ist mir zu glatt und konnte mich daher leider nicht so ganz überzeugen.

Kinder oder Jugendliche werden das Buch sicherlich aus einer anderen Perspektive als ich erleben. Der Verlag gibt das Lesealter mit 14-16 Jahre an. Es gibt einige rabiate Szenen, dennoch denke ich, dass diese Altersgruppe aus medialen Medien schon „Schlimmeres“ gesehen hat und daher wäre meiner Meinung das Buchauch für lese-erfahrene (!!) 12-jährige geeignet.

Trotz der 287 Seiten ist es leicht zu lesen, und sicherlich gefallen Jungens die Kämpfe und Heldentaten von Wilfried. Sehr positiv bewerte ich das wie „nebenbei“ vermittelte Wissen über eine mittelalterliche Lebensweise.

 

Hier eine kleine Zusammenfassung der Geschichte mit eigenen Worten. Aber ***Vorsicht Spoiler ***

Weiterlesen

Advertisements