Linke, Dorit – Fett Kohle

Linke, Dorit Fett Kohle 978-3-7348-4706-6

Linke, Dorit
Fett Kohle
978-3-7348-4706-6

Inhalt:

Niklas kann sein Glück kaum fassen: Da landet doch tatsächlich eine Tasche voller Geld direkt vor seinen Füßen! Wenn das mal nicht die Antwort auf alle seine Probleme ist. Aber noch während er überlegt, was er mit der Kohle machen soll, stellt sich heraus, dass Niklas die Beute aus einem Banküberfall in die Hände gefallen ist – und plötzlich sind ihm die Gangster, die Polizei und sein eigenes schlechtes Gewissen auf den Fersen …

 

Meine Meinung:

Das Cover ist mit der Nahaufnahme einer Ledertasche mit Schnallen sehr auffällig. Man könnte sogar interpretieren, dass die Tasche verschmitzt lacht, da eine Naht wie ein grinsender Mund und die Schnallen wie Augen aussehen, wobei eine Schnalle noch den Eindruck eines blinzenden Auges macht.

Die Geschichte spielt in einem speziellen Milieu, im Kiez Neukölln/Berlin und der Ich-Erzähler Niklas beobachtet zufällig wie Bankräuber ihre Beute verstecken. Die Kapitel sind mit „Tag 1“ bis „Tag 8“ betitelt. Niklas holt sich die Beute und versucht dann das „richtige“ zu tun, was nicht einfach ist, da seine Patchwork-Familie Hartz-IV Empfänger ist und sie das Geld gut gebrauchen könnten. Er vertraut sich seinem besten Freund Felix an und gemeinsam suchen sie nach einer Lösung. Schwierigkeiten macht außer der eigenen Familie noch Murat, der Chef einer Gang in Niklas Schule und die Schule überhaupt. Das Jugendamt war auch schon bei ihnen zu Hause, der Stiefvater trinkt gerne einen, auf dem Schulweg passieren die Kinder Drogendealer, Alkoholiker und viele andere seltsame Typen …

Seite 128: „ Irgendwie hab ich immer gedacht, das das Amt einfach nur Geld verteilt. Man geht dorthin, die Sachbearbeiterin sitzt an einem Tisch und schiebt jedem, der vorbeiläuft, einen Schein rüber.“

Aus der Sicht von Niklas geschildert: der monatliche Gang zum Sozialamt um Hartz-IV abzuholen. Solche Aussagen machen mich dann auch nachdenklich, da diese Ansichten sicherlich dort von vielen Kindern übernommen werden, einfach, weil sie es nicht anders kennen und von Anfang damit groß werden. Und dadurch vielleicht später in dasselbe Schema fallen.

Ein besonderes Hobby hat Niklas, er geht gerne Kite-Surfen auf einem alten Flugfeld. Dort wollen Felix, er und auch Murats Gang, die er gezwungener Maßen mit involvieren musste, die Bankräuber selber fassen.

Der Handlungsort dieser Geschichte spielt in einem speziellen Milieu und bot mir neue Einblicke; z.B. wie sich der Weg eines Kindes aus einem „Problemviertel“ von der Mietswohnung in die Schule gestalten kann. Das man manche Typen am besten einfach ignoriert, das man in Parks vorbeikommt wo die Drogenabhängigen rumhängen und wie man damit als 10jähriger umgeht. Das war schon authentisch erzählt.

Jedoch empfand ich den Schreibstil der Autorin sehr oft als „abgehackt und staccato-artig“, das unterbrach ständig meinen Lesefluss. So richtig Stimmung und Spannung wollte bei mir keine aufkommen. Alles war sehr voraussehbar. Die Sprache war meistens dem Milieu angepasst. Das findet man in Kinderbüchern auch eher selten, macht dieses Buch darum aber besonders.

 

Fazit:

Das Gesamtpaket konnte mich nicht 100% überzeugen. Die Idee, das Setting in ein Brennpunkt-Wohnviertel zu legen ist sehr ambitioniert und findet mein vollstes Wohlwollen, aber die Geschichte selber war mir zu holprig und zu angestrengt gewollt. Viele Sätze klangen wie „hingeschossen“, was vielleicht auch an der heutigen Umgangssprache liegt.

Kinder, besonders Jungs, Kinder die in ähnlichen Verhältnissen groß werden, sehen diese Geschichte sicherlich mit anderen Augen und vor allen „erkennen sich wieder“. Von daher fand ich es wichtig, dass die Autorin dieses Thema aufgefasst hat.