Leeson, Christine (Illustrator Gaby Hansen) – Lisas erster Weihnachtsbaum

Leeson, Christine Lisas erster Weihnachtsbaum 3-7655-6679-9 Brunnen Verlag

Leeson, Christine
Lisas erster Weihnachtsbaum
3-7655-6679-9
Brunnen Verlag

Inhalt:

Lisa erlebt ihr erstes Weihnachtsfest und dazu gehört natürlich auch ein bunt geschmückter Weihnachtsbaum. Also läuft die kleine Maus in den Wald, um passenden Schmuck zu suchen. Tatsächlich findet sie viele schöne Dinge, doch alle haben schon einen anderen Besitzer. Aber vielleicht, weil Weihnachten ist, lassen sich Hund, Elster und sogar die Katze erweichen und geben Lisa, was sie braucht – am Ende sogar viel mehr, als sie zu hoffen wagte!

Meine Meinung:

Auf dem Cover sind vier herzallerliebste Mäuse zu sehen, die nach rechts schauen und irgendetwas zu bestaunen scheinen. Was sehen sie dort? Die kleine und große Leser können schon Glitzerstaub-Sterne am Rande des Buches funkeln sehen – und jetzt nichts wie das Buch aufschlagen und nachschauen, was da los ist. Weiterlesen

Janna de Lathouder & Anne Schneider – Das ist kein Krimskrams

Autor: Janna de Lathouder Illustrator: Anne Schneider Das ist kein Krimskrams 978-3-945136-43-0 Lingen Verlag

Autor: Janna de Lathouder
Illustrator: Anne Schneider
Das ist kein Krimskrams
978-3-945136-43-0
Lingen Verlag

Inhalt:

Eule wohnt in einem alten Baum. Doch kommt sie bald nicht mehr in ihr Haus – so viele Sachen hat sie gesammelt. Niemanden kann sie einladen und deswegen kennt sie auch keiner so richtig. Andere betrachten sie als seltsam und ihre Sammlerstücke bezeichnen sie verächtlich als Krimskrams. Dabei hängt für sie an jedem Stück eine wertvolle Erinnerung. Zum Glück hat Eichhörnchen eine fantastische Idee: Sie eröffnen das Museum der Geschichten! Und auf einmal sammelt Eule noch etwas ganz anderes …  (Quelle Lingen)

Meine Meinung:

Mit dem Cover zu diesem Buch bin ich geteilter Meinung. Ich habe für mich festgestellt, dass mir der Ausdruck der Eule nicht gefällt. Dieser Ausdruck hat etwas gierige-beschützendes-geheimnisvolles. Als ich  Weiterlesen

Lieske, Tanya – Oma, die Miethaie und ich

Lieske, Tanya Oma, die Miethaie und ich 978-3-407-82018-1 Beltz & Gelberg

Lieske, Tanya
Oma, die Miethaie und ich
978-3-407-82018-1
Beltz & Gelberg

Inhalt:

Die zehnjährige Salila und ihre Oma sollen ausziehen – dabei haben sie doch immer in der Wohnung gewohnt mit der Kastanie vor dem Fenster und der kleinen Werkstatt im Hof. Aber jetzt soll das ganze Haus saniert werden …

Schon immer leben Salila und Oma Henriette in der schönen Wohnung mit der Kastanie vor dem Fenster. Doch dann tauchen Briefe auf, die Oma einfach beiseitelegt. Salila öffnet sie heimlich: Ein Miethai hat ihr Haus geerbt und nun soll es aufwendig saniert werden. Warum liest Oma sie nicht? Bald weiß Salila warum und nimmt die Sache selbst in die Hand …

Meine Meinung:

Eine Freundin hat mich auf dieses  Buch aufmerksam gemacht. Der originelle Titel spricht aber auch so schon für sich, ich stellte mir etwas Lustiges zum Lesen vor. Das war es dann aber nicht. Es war eine gemütliche Geschichte in einem Düsseldorfer Altstadtviertel. Die Geschichte vermittelt eine wunderbare Geborgenheit, die ein Mädchen bei seiner Oma erlebt, nachdem ihre Mutter gestorben ist. Die beiden sind wirklich ein Team, und Andeutungen auf den ersten Seiten sensibilisieren zumindest die Erwachsenen Leser für das Thema Analphabetismus. Ich bin mir nicht sicher, ob Kinder das auch von Anfang an verstehen werden.

Salila wird bei ihrer Oma groß, nachdem ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist. Sie ist eine sehr gute Schülerin, der das Lernen leicht fällt. Besonders gefallen hat mir das Schlafen-gehen-Ritual, der „Dreierschwatz“. Oma Henriette und Salila erzählen der toten Mama jeden Abend, was über Tag passiert ist. Eine weitere Thematik, die aber eher am Rande erwähnt wird, ist, dass Salila keine Freundschaften hat. Deswegen freut sie sich umso mehr, wenn im Sommer Mehmet kommt, der Neffe vom Gemüsehändler. Aber auch hier gibt es eine kleine Weiterentwicklung, denn die beide werden „erwachsener“ und Mehmet hat keine Lust mehr für Mädchen-Dinge.

Oma Henriette bezeichnet sich selbst als eine viel gereiste Künstlerin, ich würde sagen, sie ist eine Lebenskünstlerin und lebt im eigenen Mikrokosmos. Sie hat eine kleine Reparaturwerkstatt und repariert gegen Bargeld verschiedene Kleinigkeiten in ihrer Nachbarschaft. Warum das alles so ist, wie es ist, erfährt man nach und nach in der Geschichte. Auf Seite 109 macht Oma Henriette Andeutungen, warum sie so viel gereist ist. Es bleibt allerdings viel der Phantasie überlassen. Ebenso wie das Leben eines heimlichen Analphabeten sein kann: den „Brille-vergessen“-Trick, Zettel zu malen statt zu schreiben usw. Hier erst macht sich der erwachsene und vielleicht auch der kindliche Leser Gedanken darüber, wo einen überall Lese-Situationen überraschen können.

Salila und Oma Henriette wohnen in einer sehr günstigen Wohnung in einem dieser interkulturellen Altstadtviertel mit vielen kleinen Geschäften. Es ist ein geregeltes Leben, bis die „Miethaie“ kommen, denn das Viertel bietet preiswerte Ateliers und helle Lofts für findige Geschäftemacher. Auch die beiden sollen nun ihre Wohnung verlassen und endlich gesteht Oma Henriette Salila, warum sie nicht lesen kann. Am Schluss gibt es für alle eine Lösung und sogar noch einen Ausblick, wie es Mehmet in den nächsten Jahren ergehen wird. Vielleicht dürfen die Leser auf eine Fortsetzung hoffen? Ich würde es mir wünschen.

Es gibt einige Fremdwörter in diesem Buch, die während des Lesens geschichtenbezogen erklärt werden, z.B. Miethaie. Salila sammelt zudem „Zwillingswörter“, die auf den letzten Buchseiten nochmal alle aufgelistet werden. Das ist eine schöne Wortschatzerweiterung für die jungen Leser.

Salila schreibt zudem Geschichten, und so gibt es zu den vielen Ereignissen eine Parallelgeschichte, in der Prinzessin Noue und der Tiger Laute eine Rolle spielen.

Fazit:

Ein interessantes Buch für geübte Lese-Kinder ab 9 Jahren. Für Kinder ist es doch viel Text, und die Geschichte lässt sich nicht so leicht „runterlesen“, wie es auf den ersten Blick scheint. Man muss öfter mal über das gelesene nachdenken.

Dennoch bietet die Geschichte ganz viele unterschiedliche Ansatzpunkte in Alltagssituationen wie Analphabetismus, Trauerbewältigung , Verbundenheit, Geborgenheit und das alles mit einer alleinerziehenden Oma und ihrer Enkelin. Manche Schilderungen sind zu leicht und idyllisch, z.B. dass Salila eine sehr gute Schülerin ist und ihr das Lernen leicht fällt, oder diese „Hinterhof-Werkstatt-Romantik“. Die Themen die in diesem Buch verarbeitet werden, wiegen schwer, der leichte und vor allem ruhige Erzählton gleicht dies aber aus. Es ist eine eher brave Geschichte mit einer korrekten kleinen Heldin. Und dennoch ein ganz besonders lesenswertes Buch für Kinder.

Empfehlenswert !

 

Frauke Hohberger + Rita Lüder – Selfie mit Löwenzahn

Frauke Hohberger + Rita Lüder Selfie mit Löwenzahn 978-3-258-07958-5 Haupt Verlag

Frauke Hohberger + Rita Lüder
Selfie mit Löwenzahn
978-3-258-07958-5
Haupt Verlag

Inhalt:

Die Kamera lehrt sie das Sehen, die Aufnahmefunktion lässt sie hinhören – Kinder gehen plötzlich hellwach über blühende Wiesen und durch dichte Wälder, sitzen still auf Steinen und entdecken die Natur. Ihr Instrument ist dabei das Smartphone oder Tablet.
Die Möglichkeiten der modernen Geräte wollen die Autorinnen kreativ nutzen und mit ihnen Entdeckerfreude und Begeisterung für die Natur auslösen. Sie schicken die Kinder auf die Fotojagd nach grünen Farbtönen oder unterschiedlichen Blütenformen, lassen Fotos von Wolken mit dem Stift in Wolkenmonster verwandeln, regen mit der Zoomfunktion den Blick aufs kleine Detail an und animieren zum genauen Hinhören – auf dem Klangspaziergang im Wald oder beim Aufnehmen von Tönen für das Soundquiz. Für Kinder ab 8 Jahren.

Meine Meinung:

Das Buch hat ein ungewöhnliches Format, groß und fast quadratisch (23x26cm). Ich als Hobby-Fotografin war fasziniert von der Idee, mit Kind und Smartphone oder Tablet durch die Natur zu streifen. Die Frage heutzutage ist doch, wie kann ich medienaffine Kinder für die Natur begeistern? Wie kann ich sie von Playstation & Co weglocken nach draußen? Wandern mit den Eltern –  pah, langweilig. Aber mit Tablet und Smartphone könnte es einen gewissen Anreiz bieten.

Ich möchte kurz zu einer Erinnerung in meine Kindheit abschweifen. Ein für mich überraschendes  Konfirmationsgeschenk, das ich damals erhalten habe, war eine Spiegelreflex-Kamera. Für dieses Geschenk bin ich heute noch so dankbar, weil ich dadurch einen Blick für „Schönes und „Interessantes“ bekommen habe. Ich habe gelernt, genau hinzuschauen und kreativ zu denken. Heute fehlt mir leider die Zeit für dieses Hobby. Aber wäre es nicht eine wundervolle Idee, diese Erinnerung wieder neu zu beleben oder selber ein solches Geschenk zu übergeben? Zur Zeit finden Kommunionen und Konfirmationen statt, und da wäre es eine schöne Idee, dieses Buch hier zusammen mit einer Kamera, einem Tablet oder einem Smartphone zu verschenken, je nachdem,

wie groß der finanzielle Rahmen ist, aber im Notfall kann man ja auch ein Gemeinschaftsgeschenk daraus machen. Oder überhaupt, als Geburtstagsgeschenk, Weihnachtsgeschenk …

Nun wieder zurück zum Buch. Als ich es erhielt, war ich sehr erstaunt. Was mit Kreativität alles möglich ist! Draußen in der Natur. Das Buch ist eine Ideenschmiede für angehende Hobbyfotografen oder auch einfach nur eine sinnvolle und spaßige Freizeitbeschäftigung für Kinder. Das einzige Manko ist, dass man seinem Kind Smartphone und Tablet anvertrauen muss. Da heißt es Augen zu und durch. Oder die meisten Kinder ab spätestens 11/12 Jahren haben sowieso mindestens ein Smartphone.

Auf jeder Doppelseite  im Buch wird eine Idee präsentiert, es gibt Beispiele und „Spielanweisungen“ wie „So geht’s“ und „Du brauchst“. Zudem gibt es auf einigen Seiten auch kurze Texte mit Sachinformationen zu den Pflanzen. Die Fotos sind eigentlich selbsterklärend, da braucht es nicht viel Anweisung. Aber vielleicht möchte man als Elternteil ja eine „bestimmte Aufgabenstellung“ mitgeben. Und dafür gibt es zu jedem Thema eine Anweisung. Hier eine kleine Auswahl:

 

Nahaufnahmen:

z.B. von Blüten, macht jetzt im Frühling besonders Freude; Lerchensporn- und Buschwindröschen Ansammlungen mag ich besonders gern …

 

Faszinierende Farne:

Hier kann man phantastische Gebilde entdecken. Die Idee aus dem Buch lautet hierzu:

Zitat Seite 13: Fotografiere Farne und Knospen. Schau dir deine Fotos an. Gibt es Geschichten, die dir die Pflanzen erzählen? Drucke ein paar Bilder aus und erstelle eine Bildergeschichte. Schreib den Text als Geschichte, oder gestalte einen Comic …“

 

Muster, Farben, Strukturen, Linien, Adern

Arbeiten mit dem Zoom, Nahaufnahmen, entdecke Muster, Strukturen …

 

Die kleinen Wunder in der Stadt

Asphalt-Unkraut wird zum Mittelpunkt und zum Kunstwert, diese Idee ist wirklich überall zu bewerkstelligen und eine meiner Favoriten

 

Biophonie

Entdecke Klänge! Sehr interessant. Tonaufnahmen von verschieden Orten.

 

Weitere Iden, die mir sehr gut gefielen: Alles im Rahmen; Zeitraffer-App; Fotografieren mit Lupe; Ice-Art; Baumgesichter; Schattenwurf; Spiegelbilder; Unterwasser-Fotos (einfach mit sauberem Glas); Nachtfotos; Wolkenbilder; Schneebilder;

Feuerkäfer-Ansammlungen habe ich auch schon als Nahaufnahme fotografiert. Sehr wirkungsvoll und ich freue mich, diese Anregung hier ebenfalls zu finden.

 

Pilze: Die Pilze werden von unten (!) fotografiert, das gibt tolle Ergebnisse. Interessant in diesem Zusammenhang auch die Sporenmalerei, auf so eine Idee wäre ich nie gekommen. Zu sehen sind auch sogenannte Hexenringe, die, wie ich meine, eher selten zu finden sind, bzw. ich habe noch keinen gesehen. Leider.

 

Gefördert wird das achtsame umgehen mit der Natur. Werden Regentropfen, Tautropfen fotografiert, Klänge aufgenommen oder ähnliches, müssen sich die Kinder in Geduld üben. Zunächst aber wird das Auge geschult, interessante Objekte überhaupt erst einmal zu finden. Achtsam muss durch die Natur gestreift werden. Somit lassen sich auch schöne Gruppen- und Teamspiele gestalten, oder einfach ein schöner sinnvoller Nachmittag mit Freund oder Freundin verbringen.

Am Schluss des Buches gibt es Vorschläge, wie man seine „Ausbeute“ in einer Ausstellung präsentieren kann, es gibt App-Empfehlungen für verschiedenartigste Bearbeitungen und Aufnahmen, und schließlich informative Links und weitere Literatur zu diesem Thema.

Fazit:

Eine tolle Ideenschmiede für Kinder und Erwachsene, die Anreize für ein neues Hobby, für draußen zu spielen und für zum fotografieren schafft. Dazu bietet das Buch eine Fülle an Anregungen für ein aufmerksames und achtsames Handeln mit und in der Natur durch alle Jahreszeiten. Die vielen Ideen sind eine ganz tolle Inspiration für alle. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Buch auch in Schulprojekten eingesetzt werden könnte. Aber auch schon mit einer Kindergarten-Vorschulklasse in einer medienaffinen Kita könnte ein Projekt gestaltet werden. Aber am besten wirkt es, wenn die Suche nach Motiven einfach nur Spaß macht und das Wissen wie nebenbei erworben wird. Es gibt viele Bilder, die Texte sind einfach und kurz gehalten. So macht das Buch auch Kindern Spaß, sich selber Anregungen zu holen.

Auch wunderbar zum verschenken in Kombination mit Kamera, Smartphone und Tablet geeignet.

Sehr empfehlenswert!

An dieser Stelle muss ich auch noch geocaching erwähnen, ebenfalls ein Outdoorspaß!

Hier der Link zur Verlagsseite und zum Buch: http://www.haupt.ch/Verlag/Buecher/Natur/Natur-entdecken-mit-Kindern/Selfie-mit-Loewenzahn.html?cur=1&listtype=search&searchparam=Selfie%20mit%20L%C3%B6wenzahn

 

Lindgren, Astrid – Ferien auf Saltkrokan

Lindgren, Astrid Ferien auf Saltkrokan ISBN 3-7891-4119-4

Lindgren, Astrid
Ferien auf Saltkrokan
ISBN 3-7891-4119-4

Inhalt:

Ferien auf Saltkrokan! Pelle, seine große Schwester Malin und seine beiden Brüder entdecken auf der kleinen Insel die unberührte Natur der schwedischen Schären. Sie baden im Meer, fangen Fische, sammeln Pfifferlinge und feiern Mittsommer. Nichts aber ist schöner für Pelle, als gemeinsam mit Tjorven, dem Inselmädchen, und ihrem großen Bernhardinerhund Bootsmann über die Felsen und durch den Wald zu streifen und dabei von einem Abenteuer ins nächste zu stolpern …
„Ein schöneres Ferienbuch kann man sich nicht wünschen! Es ist Sommer, man fühlt ihn auf der Haut …“ (Süddeutsche Zeitung)

 Meine Meinung:

Mit einem Büchereiteam haben wir (drei Ehrenamtliche) eine Astrid-Lindgren-Lesenacht geplant und auch im August diesen Jahres (2015) durchgeführt. Aus diesem Grund hatte ich beschlossen, verschiedene Astrid Lindgren Bücher zu lesen. Viele Ihrer Geschichten kannte ich überwiegend aus dem Fernsehen, wie z.B. „Michel aus Lönneberga“, „Pippi Langstrumpf“ oder „Karlsson vom Dach“. Aber gelesen? Ich kann mich irgendwie nicht so recht erinnern, als Kind Astrid Lindgren GELESEN zu haben.

Wie immer ist „meine“ öffentliche Bücherei (es ist eine andere, als die, in der ich ehrenamtlich arbeite) eine Quelle der Inspiration zur passenden Zeit: stolperte ich doch regelrecht über das Buch „Ferien auf Saltkrokan“, das in einem Regal quer stand und angeboten wurde. Ich griff zu.

Das Buch lässt sich schnell und leicht lesen. Die Beschreibung der Lebensweise der Menschen auf den Schären-Inseln ist wunderschön nostalgisch, das Thema etwas verklärt. Vielleicht auch etwas zu romantisch dargestellt, aber wir sehen heute ja auch sowieso meistens nur noch „die gute alte Zeit“.

Die ruhigen Landschaftsbeschreibungen sind einfach absolute Wohlfühl-Glückslandschaften, selbst wenn dicker Nebel aufzieht. Ich möchte hier einfach mal ein paar Stichwörter geben: Sanfter Sommerwind, warmer Fels, Abendluft, Wellengeplätscher, Seligkeit, Apfelbäume, Blütenschnee … Und im Winter: Wintertage, vereister Fjord, warme Küche, Herd, Holz, Feuer, Eisblumen am Fenster…

Die Familie Melcherson hat für die Sommermonate ein Ferienhaus auf der Insel Saltkrokan gemietet. Ein altes, etwas heruntergekommenes und verfallenes Haus, aber mit viel Charme und Charakter. Die Familie besteht aus Melcher (Papa), Malin (19jährige Tochter), Johann und Niklas (Söhne, so um die 12 Jahre alt) und Pelle (7 Jahre). Die Mutter ist vor paar Jahren gestorben. Vater Melcher, mit seiner besonderen und linkischen Art, hält die Familie mehr recht als schlecht als Schriftsteller über Wasser. Tochter Malin erzieht als Mutter-Ersatz ihre Geschwister und erledigt den Haushalt.

Auf der Stelle verlieben sich alle (auch der Leser) in das ehemalige Schreinerhaus auf Saltkrokan mit dem wunderschönen Garten am Meer. Alle genießen die langen Ferientage, jeder auf seine Weise. Melcher versucht sich ziemlich erfolglos als Handwerker, wenn er nicht gerade am Schreiben ist; Malin macht den Haushalt und verliebt sich, Johann und Niklas haben sich mit den Schwestern Freddy und Teddy angefreundet und Pelle mit den Nachbarskindern Stina und Tjorven. Pelle liebt alle Tiere, selbst die Wespen, selbst das Wespennest untern Dach, und besonders neidisch ist er auf Tjorven, weil – Tjorven hat einen riesigen gutmütigen Bernhardinerhund genannt „Bootsmann“.

Die Melcherson-Stadtkinder lieben die Insel und der Leser wird das gemächliche Leben dort lieben. Die Kinder sind den ganzen Tag draußen: sie streifen durch die Wälder und Weiden, sie spielen auf den Felsen, sie angeln, sie kaufen Kaninchen, sie bauen Häuschen, sie rudern aufs Meer … eine Kindheit draußen in der Natur wie man sie sich in den schönsten Träumen vorstellt. Da ich selber auch „auf dem Land“ groß geworden bin, kann ich einige Aktivitäten gut nachvollziehen, wir kamen erst nach Hause wenn es dunkel wurde und das war kein Problem. Da tat sich bei mir ein sehnsuchtsvolles Erinnern auf. Die Kinder in der heutigen Zeit von Internet & Co werden eine solche Kindheit kaum noch erleben. Schade.

Etwas philosophisch wird es in einem Kapitel „Dieser Tag ein Leben“.

Seite 90: „Hier steht: Dieser Tag ein Leben – das bedeutet, man soll gerade an diesem Tag so leben, als hätte man nur diesen einen. Man soll auf jeden einzelnen Augenblick achtgeben und spüren, dass man wirklich lebt“.

Und Melcher lebt diesen Tag wirklich, ein Missgeschick nach dem anderen passiert aber am Ende das Tages fügt sich alles wunderbar zusammen. Carpe diem.

Die Beschreibung der Kinder gelingt Astrid Lindgren wirklich gut. Vor allem die ja doch schon etwas sehr bestimmende Tjorven hatte es mir angetan, der tierliebe Pelle war ein heimlicher Liebling und zu guter letzt – der brave Bootsmann. Köstlich amüsant!

Zuletzt zum Cover – ich gestehe, ich hatte es öfters schon mal gesehen und keine Ambitionen verspürt, dieses Buch zu lesen: Das Cover war mir zu altmodisch. Nun aber, nachdem ich das Buch gelesen habe, denke, es passt haargenau. Es sollte sich niemand wegen des Covers abhalten lassen, das Buch zu lesen!

Fazit:

Wenn ich das Buch Erwachsenen Lesern ans Herz legen möchte, dann aus nostalgischen Gründen und denjenigen, die schon immer mal so „nebenbei“ die schwedische Schäreninsel-Welt kennen lernen wollen. Schöne Kindheitserinnerungen an lange Tage draußen werden den ein oder anderen überfallen und wenn nicht, bleibt immer noch der Gedanke, wie eine Kindheit gewesen sein könnte. Auch als Strandlektüre geeignet. Ich bekam jedenfalls Lust, mal Urlaub auf einer Schäreninsel zu machen.

Kinder werden sich in der Geschichte vielleicht in den langen Tages des süßen Herumtreibens erkennen, oder aber sich bewusst werden, dass es noch eine Welt außerhalb des Internet und Fernsehens gibt. Der Verlag hat das Lesealter ab 10 Jahre angegeben.

Jedenfalls habe ich ebenso Lust bekommen, mir den Film anzuschauen und werde die komplette DVD Box „Ferien auf Saltkrokan 1-5“ kaufen.

Linke, Dorit – Fett Kohle

Linke, Dorit Fett Kohle 978-3-7348-4706-6

Linke, Dorit
Fett Kohle
978-3-7348-4706-6

Inhalt:

Niklas kann sein Glück kaum fassen: Da landet doch tatsächlich eine Tasche voller Geld direkt vor seinen Füßen! Wenn das mal nicht die Antwort auf alle seine Probleme ist. Aber noch während er überlegt, was er mit der Kohle machen soll, stellt sich heraus, dass Niklas die Beute aus einem Banküberfall in die Hände gefallen ist – und plötzlich sind ihm die Gangster, die Polizei und sein eigenes schlechtes Gewissen auf den Fersen …

 

Meine Meinung:

Das Cover ist mit der Nahaufnahme einer Ledertasche mit Schnallen sehr auffällig. Man könnte sogar interpretieren, dass die Tasche verschmitzt lacht, da eine Naht wie ein grinsender Mund und die Schnallen wie Augen aussehen, wobei eine Schnalle noch den Eindruck eines blinzenden Auges macht.

Die Geschichte spielt in einem speziellen Milieu, im Kiez Neukölln/Berlin und der Ich-Erzähler Niklas beobachtet zufällig wie Bankräuber ihre Beute verstecken. Die Kapitel sind mit „Tag 1“ bis „Tag 8“ betitelt. Niklas holt sich die Beute und versucht dann das „richtige“ zu tun, was nicht einfach ist, da seine Patchwork-Familie Hartz-IV Empfänger ist und sie das Geld gut gebrauchen könnten. Er vertraut sich seinem besten Freund Felix an und gemeinsam suchen sie nach einer Lösung. Schwierigkeiten macht außer der eigenen Familie noch Murat, der Chef einer Gang in Niklas Schule und die Schule überhaupt. Das Jugendamt war auch schon bei ihnen zu Hause, der Stiefvater trinkt gerne einen, auf dem Schulweg passieren die Kinder Drogendealer, Alkoholiker und viele andere seltsame Typen …

Seite 128: „ Irgendwie hab ich immer gedacht, das das Amt einfach nur Geld verteilt. Man geht dorthin, die Sachbearbeiterin sitzt an einem Tisch und schiebt jedem, der vorbeiläuft, einen Schein rüber.“

Aus der Sicht von Niklas geschildert: der monatliche Gang zum Sozialamt um Hartz-IV abzuholen. Solche Aussagen machen mich dann auch nachdenklich, da diese Ansichten sicherlich dort von vielen Kindern übernommen werden, einfach, weil sie es nicht anders kennen und von Anfang damit groß werden. Und dadurch vielleicht später in dasselbe Schema fallen.

Ein besonderes Hobby hat Niklas, er geht gerne Kite-Surfen auf einem alten Flugfeld. Dort wollen Felix, er und auch Murats Gang, die er gezwungener Maßen mit involvieren musste, die Bankräuber selber fassen.

Der Handlungsort dieser Geschichte spielt in einem speziellen Milieu und bot mir neue Einblicke; z.B. wie sich der Weg eines Kindes aus einem „Problemviertel“ von der Mietswohnung in die Schule gestalten kann. Das man manche Typen am besten einfach ignoriert, das man in Parks vorbeikommt wo die Drogenabhängigen rumhängen und wie man damit als 10jähriger umgeht. Das war schon authentisch erzählt.

Jedoch empfand ich den Schreibstil der Autorin sehr oft als „abgehackt und staccato-artig“, das unterbrach ständig meinen Lesefluss. So richtig Stimmung und Spannung wollte bei mir keine aufkommen. Alles war sehr voraussehbar. Die Sprache war meistens dem Milieu angepasst. Das findet man in Kinderbüchern auch eher selten, macht dieses Buch darum aber besonders.

 

Fazit:

Das Gesamtpaket konnte mich nicht 100% überzeugen. Die Idee, das Setting in ein Brennpunkt-Wohnviertel zu legen ist sehr ambitioniert und findet mein vollstes Wohlwollen, aber die Geschichte selber war mir zu holprig und zu angestrengt gewollt. Viele Sätze klangen wie „hingeschossen“, was vielleicht auch an der heutigen Umgangssprache liegt.

Kinder, besonders Jungs, Kinder die in ähnlichen Verhältnissen groß werden, sehen diese Geschichte sicherlich mit anderen Augen und vor allen „erkennen sich wieder“. Von daher fand ich es wichtig, dass die Autorin dieses Thema aufgefasst hat.

Lionni, Leo – Frederick

77040_Cover_Lionni-Frederick_6.Aufl._11.5.2010:77040_Cover_LionnInhalt:

„Die Geschichte von der Maus, die nicht wie die anderen für den Winter Körner und Nüsse, sondern Sonnenstrahlen, Farben und Wörter sammelt, die Träume also und die Hoffnungen.“ Die Welt

Der Winter naht. Alle Feldmäuse arbeiten Tag und Nacht, sammeln Körner und Nüsse, Weizen und Stroh. Alle bis auf Frederick. Er sammelt Sonnenstrahlen, Farben und Wörter, das sind seine Vorräte für die kalten, grauen und langen Wintertage.
Schon als Kind liebte Leo Lionni die Natur, und das änderte sich im Laufe der Jahre auch nicht mehr. Seine Beobachtungen spiegeln sich in seinen Bilderbüchern wieder: „Das Staunen, das mich erfüllt, wenn ich im Gras liege und eine Riesenwelt im Kleinen beobachte, in der Grashalme Mammutbäume sind und ein Käfer ein angreifendes Nashorn, ist noch dasselbe wie damals, als ich ein kleiner Junge war.“ Leo Lionni
Der moderne Bilderbuch-Klassiker „Frederick“ begeistert eine Kindergeneration nach der anderen! „Von all dem, was ich in meinem Leben getan habe, hat mich wenig so sehr und so tief befriedigt wie meine Kinderbücher.“ Leo Lionni

 

Meine Meinung:

Ich kann es nicht erklären, so 100% überzeugt hat mich dieses „Muss-Buch“ der Kinderliteratur nicht. Vielleicht muss ich mich intensiver damit beschäftigen!?

Irgendwie kam ich auf die Idee, mir ein kleines Vorlese-Projekt für dieses Buch auszudenken. Beim durchblättern kamen mir schon einige Ideen in den Sinn. Im Internet ist dieses Thema auch schon „breitgetreten“, es gibt allerhand Ausmalbilder, Bastelbögen und Arbeitsanweisungen für Interessierte.

So weit, so gut. Als ich das Buch das erste mal meinem Sohn vorlas (ich gebe zu, ich hatte es vorher noch nicht einzige Mal gelesen!) und ich ihn dann an besagt-streitbarer Stelle, als Frederik da stand und augenscheinlich nichts tat während alle anderen Nahrung für den Winter sammelten, fragte: Denkst du, das ist so in Ordnung? Was sagen die anderen dazu? Mein Sohn fand es nicht in Ordnung, und auch ich, die nicht wusste, wie die Geschichte weitergeht, fand es auch nicht in Ordnung und dachte dann klassischerweise, die „Bestrafung“ erfolgt sicherlich am Schluss. Da bin ich wohl in eine typische Falle getappt, die ich aus der Erwartungshaltung an eine pädagogische Geschichte erwünscht hätte.

Denn es folgt keine Strafe, im Gegenteil. Das Buch ist poetisch zu verstehen. Denn als die Nahrungsvorräte im Winter zu Neige gehen, füttert Frederik die anderen Mäuse mit Farben, Gedichten und Gedanken und verkürzt so die Wartezeit zum Frühling.

Ich könnte jetzt interpretieren: So trägt also jeder zu dem Überleben einer Gesellschaft bei. Jeder macht das was er kann. Das macht das Bunte, das Vielfältige in einer Gesellschaft, in einem Volk aus. Wir wollen ja nicht alle unisono sein.

Trotzdem fand ich persönlich es aber ziemlich provokant, als Frederik so nichts-tuend da stand. Und wird man nur durch Kunst und Kultur satt? Sicherlich, es ist eine schöne Beigabe, eine Wohltat für die Seele, und „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, aber diese Geschichte fordert den Vorleser in der Anschlussdiskussion richtig heraus. Ich bin nicht sicher, ob Kita-Kinder diese tiefsinnige Botschaft der Geschichte verstehen werden.

 

Fazit:

Ein Bilderbuch mit einer starken und sicherlich auch kontroversen Botschaft. Ein Buch das Anschlusskommunikation und im Kita-Bereich viel Erklärung benötigt.

Es gehört in diesem Sinne nicht zu meinen Lieblingsbüchern, ist aber trotzdem etwas Besonderes.

Ich habe dazu ein kleines Vorleseprojekt entwickelt, dass ich demnächst auf meinem „kleinlelit“-Blog einstellen werde.