Kästner, Erich – Emil und die Detektive

 

Kästner, Erich Emil und die Detektive ISBN: 978-3-7915-3012-3

Kästner, Erich
Emil und die Detektive
ISBN: 978-3-7915-3012-3

Inhalt:

Zum ersten Mal darf Emil allein nach Berlin fahren. Seine Großmutter und die Kusine Pony Hütchen erwarten ihn am Blumenstand im Bahnhof Friedrichstraße. Aber Emil kommt nicht, auch nicht mit dem nächsten Zug. Während die Großmutter und Pony Hütchen noch überlegen, was sie tun sollen, hat Emil sich schon in eine aufregende Verfolgungsjagd gestürzt. Quer durch die große fremde Stadt, immer hinter dem Dieb her, der ihm im Zug sein ganzes Geld gestohlen hat. Zum Glück bekommt Emil bald Unterstützung: von Gustav mit der Hupe und seinen Jungs.

 

 

Meine Meinung:

Das Buch und der Autor sind weltbekannt. Die Geschichte wurde vor ein paar Jahren neu verfilmt, und ich meine mich an einen älteren schwarz-weiß Film erinnern zu können.

Mitte Januar 2014 bekam ich die Liste mit den Literatur-Vorschlägen für ein Kinder- und Jugendbuch-Seminar. Die Liste enthielt auch Erich Kästner’s „Emil und die Detektive“. Ich beschloss, das Buch aus der Stadtbücherei auszuleihen, und war nun auch schon ganz auf das Original gespannt.

Ich fange mal mit dem Vorwort von Erich Kästner an, von dem ich dachte, es wäre einfach nur ein Vorwort, bis ich das Ende des Buches gelesen hatte. Also, im Vorwort ging es darum, wie Erich Kästner dazu kam, dieses Buch zu schreiben. Ich weiß nicht, ob es sich tatsächlich so abgespielt hat, oder ob das Vorwort auch mit zu der Erzählung zählt. Oder, ob die Erzählung tatsächlich so passiert ist. Das wäre ja auch eine Möglichkeit.

Nun hat mir das Vorwort aber nicht so gut gefallen, weil ziemlich viele Phantasie-Namen darin vorkommen und mir auch der Sinn dieses Vorwortes nicht bewusst war, so dass ich es einfach überflogen habe, nichts ahnend, das manches später doch noch verwendet werden würde, wie z.B. Emils Nachnamen, „Tischbein“. Wie kam es zu diesem Nachnamen? Ich denke, wenn man das Vorwort liest, weiß man es.

In dem Buch sind übrigens nach dem Vorwort Illustrationen von den Beteiligten und den Orten: Emil, Emils Mutter, der Zug, der Herr mit dem steifen Hut, Pony Hütchen, das Hotel, Gustav mit der Hupe, die Bank, die Setzerei der Zeitung.

Die Geschichte: Emil fährt mit dem Zug nach Berlin und wird unterwegs bestohlen. Alleine macht er sich an die Verfolgung des Diebes, wobei ihm Berliner Kinder zu Hilfe kommen. Am Schluss wird der Dieb dank der Kinder gefasst und Emil bekommt eine Belohnung.

Das Buch lässt sich schnell und leicht lesen, allenfalls an einigen altmodischen Redewendungen und Sprache kann man stören oder es auch im Gegenzug ganz sprachintensiv empfinden. Auch die Namen der Kinder bzw. deren Spitznamen sind ungewohnt: Gustav, Dienstag, Krummbiegel, Petzhold, Arnold, Traugott, Mittenzwey, Gerold …

Altmodische Redewendungen:

Emil sagt zu seiner Mutter: „Keine Bange junge Frau“

Haben Sie verbindlichen Dank mein Herr.

Keilt euch morgen.

Wer gibt mir Pinke?

Ich bring euch Kaffe mit. (Die Kinder bringen sich gegenseitig Kaffee!)

In der grünen Minna zum Alex.

Gott sei getrommelt.

Pony sagt zu ihrem Vater: „Alle Wetter Heimbolt, bist du eine Dickschädel“

Pony sagt zum Zugschaffner: „Sie sind mir ein ulkiger Knabe“.

 

Altmodische Wörter:

Pferdebahn (im Sinne von Zug/S-bahn), ondulieren, Holzklasse (im Zug), Coupe (Zugabteil), depeschiert (senden), Schupomann (Schutzpolizei), knorke, Akzelerator, Stafetten, Schlackwurst), Stuart Webb, Muskelpietschel, Hannaken …

Also, wie ihr lest, ziemlich ungewohnt.

 

Fazit:

Die Geschichte ist ein Klassiker der Kinderliteratur schlechthin. Sicherlich lässt sich auch vieles auf vielfältige Art interpretieren.

Die altmodische Sprache hat mich etwas irritiert, was auch daran gelegen haben konnte, dass ich mich im vorneherein nicht darauf eingestellt hatte. Trotzdem könnten manche Wörter fast eine Renaissance erleben, so originell sind sie.

Das Buch lässt sich schnell und einfach lesen, es ist für mich eine nette Geschichte, die in der heutigen Zeit vermeintlich nostalgische Erinnerungen und Gefühle vermitteln kann. Allerdings gibt es andere Geschichten, die mich mehr berührt oder mitgenommen haben.

Die Geschichte ausführlich:

 

***Vorsicht Spoiler ***

Emil fährt in den Ferien zu seiner Verwandtschaft (Tante, Großmutter, Cousine) nach Berlin. Seine Mutter ist alleinstehend, arbeitet als Friseuse und sie kommen mehr schlecht als recht zurecht. Man merkt, dass in der Zeit Erich Kästners, als er das Buch schrieb, 1929, noch „arme“ Zeiten herrschten. Emils Mutter unterstützt die Großmutter in Berlin, spart sich den letzten „Heller“ ab. Emil soll nun den Teil des Geldes, 120 DM, zur Übergabe mit nach Berlin nehmen. Das Geld ist in einem Umschlag in der Anzugtasche. Emil kam im Zug auf die Idee, das Geld zur Sicherheit mit einer Nadel am Anzug festzustecken. Das ist für später noch ein wichtiges Detail. 20 DM darf Emil für sich selbst und die Ferien behalten.

Ich war eigentlich erstaunt, dass man damals ein Kind einfach so in einen Zug nach Berlin setzte, entweder lag es wirklich an den „anderen Zeiten“ damals, oder wir sind heut zu empfindlich oder es ist einfach „dichterische Freiheit“.

Im Zug taucht „der Mann mit dem steifen Hut auf“, er nennt sich Herr Grundeis; der, als Emil einschläft und sie allein im Abteil sind, Emil das Geld stiehlt. Ein langes Kapitel handelt von Emils Traum. Es ist schon sehr gut beschrieben, wie sich Emils Aufregungen und Ängste in diesem Traum wiederspiegeln. Dennoch empfand ich dieses Kapitel als überflüssig. Emil erwacht, denkt als erstes an das Geld und ist ganz erschrocken, als es weg ist. Zwei Hauptgedanken gehen ihm durch den Kopf: Die Mutter hat umsonst gespart! Die Großmutter bekommt nun keinen Pfennig!

Gerade so kann er noch den Dieb/Mann verfolgen, muss dafür aber an einer anderen Station innerhalb Berlins aussteigen. Daher wartet seine Großmutter vergeblich am Hauptbahnhof in Berlin auf ihn.

Emil nimmt die Verfolgung auf und lernt Gustav kennen, der viele Freunde hat, die er alle flugs herbeordert und alle helfen mit, den „Herr mit dem steifen Hut“ zu observieren. Die ganze Aktion bekommt das Kennwort „Parole Emil“. Emil schreibt eine Nachricht an die Großmutter. Auf dem Nikolsberger Platz versammeln sich alle Freunde von Gustav und die Einrichtung einer Telefonzentrale wird beschlossen. Cousine Pony taucht zufällig auf. Die Verfolgung geht weiter, die Kinder wechseln sich ab, der Dieb verschwindet im Hotel Kreid. Gustav freundet sich schnell mit dem Liftboy an, und kann sich ebenso verkleiden, so dass sie den Dieb auch im Hotel beobachten können.

Als der Dieb das Hotel verlässt, verfolgt ihn eine ganze Kinderschar, 100 Berliner Kinder, und das fällt dann selbst dem dümmsten Dieb auf. Er flüchtet in eine Bank, und will sich die gestohlenen 140 DM wechseln lassen. Die Kinder kommen in die Bank und Emil beschuldigt den Dieb, der sich das aber so nicht gefallen lässt, und Beweise fordert.

Wie gut, dass Emil nun schnell einfällt, dass er die Geldscheine ja mit einer Nadel an seinem Anzug befestigt hatte, so dass diese Löscher haben müssen. Tatsächlich, der Dieb sieht sich überführt und flüchtet im allgemeinen Chaos, wird aber von der Horde Kinder aufgehalten.

Die Polizei kommt, Emil muss nun alles erklären, und wird sogar von der Zeitung interviewt, und hier kommt zufälligerweise wieder das Vorwort das Autors Erich Kästners zum Zug: Herr Kästner ist nämlich einer der Reporter! Und wie sich herausstellte, war er auch der Mann aus der „S-Bahn“, der Emil das Geld geliehen hatte, der ja „schwarz“ gefahren war, als er den Dieb abseits seiner Route verfolgte.

Emil fährt mit Herr Kästner in die Zeitungsredaktion, erzählt dort wieder alles, wird fotografiert, darf mit in die Setzerei der Zeitung und bekommt zu guter letzt ein Taxi nach Hause zu seiner Großmutter bezahlt. Endlich kann ihn die Berliner Verwandtschaft in die Arme schließen.

Plötzlich klopft die Polizei dort an die Tür, zuerst sind alle erschrocken, aber sie haben eine gute Nachricht. Der Dieb war ein Bankräuber und Emil bekommt eine Belohnung von 1000 DM. Da sie nun genug Geld haben, lässt Emil seine Mutter nach Berlin kommen, die erst im Zug zufälligerweise aus einer Zeitung von den Abenteuern ihres Sohne erfährt.

Emil will von der Belohnung für seine Mutter einen elektrischen Trockenapparat für ihr Arbeit als Friseuse kaufen und einen gefütterten Mantel, und für sich einen Fotoapparat.

Fazit:

Ein Buch in  altmodischen Sprache, darauf muss man sich einlassen wollen. Das aber wiederum auch einen sehr positiven Reiz ausmachen kann. Einen tiefen literarischen Sinn konnte ich darin allerdings nicht erkennen. Es ist im Prinzip eine nette Geschichte, die sich schnell und einfach lesen lässt. Sie spiegelt das Leben von Kindern in der Zeit von 1929 wieder: Abenteuer, Freundschaft, Banden und die Großstadt Berlin sind ein Hauptthema. Es kommen Fremdwörter darin vor, auch Wörter, die es heute nicht mehr so gibt.

Ein Buch sicherlich für Leseratten oder für interessierte, die sich in die gute alte Zeit zurück katapultieren lassen wollen.