Stiefvater, Maggie – Rot wie das Meer

Stiefvater, Maggie
Rot wie das Meer
978-3-8390-0147-9
Script 5

Inhalt:

Jedes Jahr im November wird die Insel Thisby von Capaill Uisce heimgesucht, Meereswesen, die in Gestalt wunderschöner Pferde Tod und Verderben bringen. Schnell wie der Seewind und tückisch wie das Meer, ziehen sie die Menschen in ihren Bann. Wie viele junge Männer der Insel fiebert auch Sean Kendrick dem Skorpio-Rennen entgegen, bei dem sie auf Capaill Uisce gegeneinander antreten. Nicht wenige bezahlen dafür mit ihrem Leben. Das diesjährige Rennen aber wird sein wie keines zuvor: Als erste Frau wagt Puck Connolly, sich einen Platz in dieser Männerwelt zu erkämpfen. Sie gewinnt den Respekt von Sean Kendrick, der ihr anfangs widerwillig, dann selbstlos hilft. Schließlich fällt der Startschuss und auch diesmal erreichen viele Reiter nicht das Ziel. Ihr Blut und das ihrer Capaill Uisce färben die Wellen des Meeres rot … (Quelle Script 5)

Meine Meinung:

Von Maggie Stiefvater habe ich bisher zwei Bücher gelesen, und obwohl sie einen wunderbaren Schreibstil und wirklich fesselnde Ideen für ihre Bücher hat, habe ich immer den Eindruck, die Geschichten sind  zäh zu lesen. Ich weiß nicht, wie etwas gleichzeitig wunderschön und langatmig zugleich sein kann, aber bei ihr habe ich diesen Eindruck. Deswegen bin ich leider gar nicht mehr so erpicht, auf ihre Bücher. Ich meine, ich bin jedes mal begeistert von der Inhaltsangabe, aber ich schrecke echt vor dem Lesen zurück, weil es nicht so richtig voran geht, es zieht sich und eigentlich dauert mir das alles zu lang. Vielleicht könnte man es so ausdrücken, Maggie Stiefvater ist gut zu lesen, wenn man viel Zeit und Muse hat.

Diese Eindrücke bestätigen sich auch hier in „Rot wie das Meer“. Das Buch beginnt schon irgendwie spannend, aber als es dauerte und dauerte bis ich ein Gefühl dafür bekam, in welche Richtung die Geschichte steuert und dass das Rennen erst am Schluss kommen würde und es ebenfalls dauerte, bis die Hauptprotagonisten sich kennen lernten, da war ich schon sehr ungeduldig und hätte fast aufgegeben, bzw. nur noch den Schluss gelesen.

Irgendwie schien mir der Name Puck nicht ganz zu der Hauptprotagonistin passen. Ihr richtiger Name ist Kate, aber im Buch wird sie Puck genannt. Sie ist eine normal aussehende Jugendliche, rothaarig, extrem sommersprossig und mit schlanker Figur. Sie zwei Brüder und nachdem ihre Eltern gestorben sind, leben sie in Armut und hungern zwischendurch. Als der Hauptverdiener, ihr älterer Bruder Gabe beschließt die Insel zu verlassen, fällt Puck aus allen Wolken. Unverständlicherweise will sie ihn durch ihre Teilnahme am Wasserpferde-Rennen zum Bleiben überreden, obwohl den Lesern klar sein dürfte, dass dies kein Grund ist. Puck ist immer noch unsicher wegen ihrer Teilnahme, aber als schließlich ihr Haus gepfändet werden soll, ist dies die letzte Möglichkeit für sie, an viel Geld zu kommen.

Die Wasserpferde, auch Capaill Uisce genannt, sind eine Klasse für sich. Ich hatte noch nie von dieser Sage gehört, und wie die Autorin berichtet und wie ich es geographisch vermutete, gibt es verschiedene Ausprägungen an den schottischen Küsten und Inseln. Die Capaill Uisce sind magische, gefährliche Pferde, die Menschen und Tieren töten um sich an deren Blut und Fleisch zu stärken. Sie haben eine erschreckende Bösartigkeit in sich und sind gleichzeitig wild, schnell, kraftstrotzend und wunderschön. Im November kommen sie aus dem Meer heraus, auf der Suche nach Nahrung. Sie verströmen ihre Magie und ziehen die Menschen ins Meer. In dieser Zeit ist es besonders am Strand gefährlich für die Menschen. Einzig und allein Eisen vermag sie bestenfalls in Schach zu halten.

 

Stiefvater, Maggie
Rot wie das Meer
978-3-8390-0147-9
Script 5

Stiefvater, Maggie
Rot wie das Meer
978-3-8390-0147-9
Script 5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sean ist ein Pferdeflüsterer, ihm gelingt es, ein Capaill Uisce halbwegs zu zähmen. Die Leute auf der Insel können das nicht begreifen, wie er mit dem Pferden umgeht. Er ist wohl um die 19 Jahre alt und ein Eigenbrötler. Es dauert lange, bis Sean und Puck aufeinandertreffen. Sean ist einsam, ohne sich dessen bewusst zu sein, er lebt für die Pferde, hat keine Freunde, keine Familie. Er arbeitet in einem Gestüt auf der Insel, und alle wissen, dass es nur seiner Hand zu verdanken ist, dass viele Pferde erfolgreich sind. Sean weiß einfach alles über Pferde und kann sie am besten einschätzen. Dies ist Mutt, dem Sohn des Besitzers, ein Dorn im Auge. Zwischen den beiden, zwischen Sean und Mutt gibt es nur Anfeindungen und Hass. Der Höhepunkt wird erreicht, als Mutt‘s Vater Sean als den „besseren“ Nachfolger sieht, obwohl Sean nicht einmal sein richtiger Sohn ist. Mutt ist seit jeher neidisch auf Sean, und so gibt es einen weiteren kleinen Spannungsbogen im Buch, denn man ahnt, dass Mutt nichts Gutes vor hat.

Die Liebesgeschichte zwischen Sean und Puck entfaltet sich nur ganz ganz langsam, aber dafür irgendwie mit voller Wucht. Man ahnt, da finden zwei zusammen, die zusammen gehören. Es passiert eigentlich nicht viel, man muss viel zwischen den Zeilen lesen können, um den feinen Faden der Liebe zwischen den beiden in dieser Geschichte zu finden. Mir gefällt so etwas besser, als wenn alles genau beschrieben wäre. Ohne viele Worte passiert viel, dazu passt auch hervorragend die melancholische Stimmung des Buches, die auch diese abweisende windumtosende Insel beschreibt. Sean und Puck haben etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt und jeder der beiden kennt diese Gründe, weiß wie wichtig dieser ist. Ich wusste überhaupt nicht mehr, wem ich einen Sieg mehr gönnen würde und war sehr gespannt, wie die Autorin dieses Dilemma lösen würde.

Dies alles, die Insel, die Capaill Uisge, Sean der Pferdeflüsterer und Puck das Mädchen agieren in einer ganz besonderen Stimmung die mich beim lesen praktisch einlullte. Dafür muss man sich aber darauf einlassen können, und diese Geschichte würde für nicht an einem warmen himmelblauen Sommertag funktionieren, dann schon eher, wenn der Regen gegen die Fensterscheiben trommelt. Zudem fühlt sich die Geschichte auch ein wenig altmodisch an, sie könnte genauso gut  vor 60 Jahren oder so spielen.

Am Schluss gibt es ein Nachtwort zur der Sage der Capaill Uisce.

Stiefvater, Maggie
Rot wie das Meer
978-3-8390-0147-9
Script 5

Fazit:

An der Inhaltsangabe hat mich besonders die magische Komponente der Capaill Uisce interessiert. Ich habe schon andere Bücher von Maggie Stiefvater gelesen und festgestellt, dass sie wunderschön aber sehr detailverliebt schreibt. Der Vorteil ist, vor dem Auge des Lesers entsteht ein perfektes Bild der Geschichte mit allem drum und dran. Dennoch sind ihre Geschichten oft eher lang und ruhig, und kommen eben solange ohne Höhepunkte aus. Solche ruhigen Geschichten muss man mögen, man muss auch Zeit für sie haben bzw. sich Zeit für sie nehmen. In der ersten Hälfte gelang mir das nicht so gut, ich musste mich innerlich zur Ruhe zwingen, und hätte ab Seite 200 am liebsten nur noch den Schluss gelesen und das Buch weggelegt. Es ist zwar alles wunderbar und authentisch angelegt, dieser melancholische Erzählton übt auch eine unterschwellige Faszination aus, aber so richtig in Fahrt kommt das alles nicht.

Aber dennoch wurde ich so nach und nach von diesem melancholischen Erzählton eingelullt. Der Spannungsbogen liegt hier eindeutig auf dem Rennen, und eigentlich dachte ich, dass Rennen würde ziemlich am Anfang oder doch zumindest in der Hälfte der Geschichte geschehen, und ich war gespannt auf das „danach“, aber so war es halt nicht. Das Rennen ist der Schluss, hier läuft der Spannungsbogen, der einen im besten Fall bei der Stange hält, aus. Da sind natürlich noch die zarten Gefühle zwischen Sean und Puck, aber es dauert schon mal über 200 Seiten, bis sie ein paar Worte miteinander reden und auch danach passiert nicht mehr viel, man braucht großes Einfühlungsvermögen und Kopfkino und muss zwischen den Zeilen lesen, um die zarten Liebesbande zu finden. Das wiederum mag ich manchmal sehr und hier hat es mir gut gefallen. Ich finde, oft sind gerade die ungesagten Dinge die am stärksten wirken. Das Ende hat mir gezeigt, dass diese Geschichte eigentlich eine Geschichte über die tiefe Freundschaft von Mensch und Pferd ist und die Liebesgeschichte nur eine klitzekleine Zugabe.

Alles in allem: Es ist eine Geschichte, bei der man das Salz des Meeres schmeckt und die Gischt feucht im Gesicht spürt. Eine unglaubliche Freundschaft zwischen Mensch und Pferd, eine unerwartete Liebe und das alles im Hintergrund einer windumtosenden nebligen Insel. Seltsam mystisch, etwas altmodisch und aber sehr authentisch. Selbst jetzt nach ein paar Wochen kann ich die Stimmung dieses Buches noch in mir „spüren“. Irgendwie doch wundervoll.

Empfohlenes Alter ist ab 16 Jahren, doch ich könnte mir vorstellen, dass es auch ab 13 Jahren lesbar ist.

Link zum Buch/Verlag: http://www.script5.de/titel-0-0/rot_wie_das_meer-5388/

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