Harings, Audrey – Interview zu „Sharj und das Wasser des Lebens“

Harings, Audrey

Harings, Audrey

 

Guten Tag Frau Harings,

alles in allem hat mir Ihre fantasievolle Geschichte mit Sharj und José gut gefallen. Während des Lesens gingen mir ein paar Dinge zu Ihrer Person als auch zur Geschichte durch den Kopf. Gerne würde ich Ihnen ein paar Fragen stellen …

 

 

 

Ihr Name hört sich Englisch an?

Der Name ist in der Tat englisch. Es ist der Geburtsname meiner Großmutter, bei welcher ich aufgewachsen bin. Meine Großmutter war Deutsche, aber die Vorfahren waren väterlicherseits irisch und mütterlicherseits spanisch. Ich lebte bis zu meinem sechsten Lebensjahr bei meiner Oma in Trier, wo ich auch geboren bin.

 

Haben Sie lange in Trier gelebt?

Mein Vater hatte damals eine führende Position bei einer Versicherungsgesellschaft und wurde versetzt. Und so zog ich zur Einschulung mit meinen Eltern nach Mainz. Aber fast jedes Wochenende und sämtliche Ferien verbrachte ich bei meinen Großeltern. Meine Oma war mein großes Vorbild. Auch war sie es, welche immer dazu beitrug, meine blühende Fantasie weiter zu beflügeln. So setzte sie sich mit mir in den Garten unter einen Kirschbaum und sprach mit den Elfen, welche sie mir alle persönlich vorstellte. Ich tat es ihr gleich und schon bald gesellten sich Zwerge und andere Fantasiewesen hinzu.

Nun ja – sie wusste, wie man ein Einzelkind beschäftigen kann. Als Hommage an meine mittlerweile verstorbene Oma wählte ich dieses Pseudonym, welches ich mir auch beim Bundespatentamt als Marke geschützt habe.

 

Warum leben Sie in Spanien? Sind sie ausgewandert?

Meine Eltern zogen Mitte der neunziger Jahre beruflich nach Spanien und ich kam nach. Aus Heimweh zu meinen Eltern. Eigentlich wollte ich sie nur besuchen, doch zurückgehen nach Deutschland ohne Familie? Und so blieb ich in Spanien. Es war sehr hart, ich orientierte mich beruflich komplett neu – eine neue Sprache, Studium, neuer Beruf.

Im Internet (!) lernte ich 1999 einen tollen Mann kennen, welchen ich dann auch ein Jahr darauf heiratete. In diesem Jahr feiern wir unseren 16. Hochzeitstag. Wir arbeiten beide zusammen und ergänzen uns wunderbar in unseren Berufen.

 

Welche Sprachen sprechen Sie?

Durch die beiden Mädchen spreche ich mehr spanisch als deutsch, was sich wahrscheinlich oft in der Satzstellung bei dem Buch bemerkbar machte, weil ich in Spanisch dachte und auf Deutsch schrieb. Vor allen Dingen wenn ich vorher ein „Brainstorming“ mit ihnen hatte. Ich selbst spreche neben Deutsch, Englisch, Spanisch, leidlich Französisch und habe Lateinkenntnisse.

 

Üben Sie einen Beruf aus und schreiben nebenher?

Natürlich muss ich arbeiten. Ich arbeite in einem Beruf, der sehr auf Zahlen ausgerichtet ist und somit sind Fantasy-Geschichten mein Ventil. So wie andere Sport machen, kreiere ich Geschichten.

 

Wie kam die Idee zu diesem Buch zustande? Gab es einen Initialzünder?

Das „Kopfkino“ zu dieser Geschichte begann in 2005. Ich hatte gerade nach einem chirurgischen Eingriff in Spanien eine große unbemerkte Komplikation. Auf dem Weg zum Skifahren wurde ich auf dem Münchner Flughafen ohnmächtig und fand mich kurz darauf im Krankenhaus wieder. Ich hatte eine Sepsis und einen offenen Abzess. Beides rührte von der nicht ordnungsgemäß durchgeführten vorherigen Operation. Auch diese OP war nicht ohne und die Ärzte mussten mich reanimieren. So hatte ich einen Einblick „auf die andere Seite“.

Harings, Audrey

Audrey Harings mit „Elfe auf Drachen“

Als ich nach 3 Wochen entlassen worden und wieder zu Hause in Spanien war, sagte ich mir, dass ich etwas ändern möchte. Ich wollte etwas hinterlassen. Nun war unsere Ehe leider kinderlos geblieben und ist es biologisch bis heute noch. Auch hatte ich das Gefühl, wenn ich nicht etwas ändere, wird alles schlimmer. Als ich dann vor diesem Möbelgeschäft stand und diese Elfe auf dem Drachen sah, war diese Geschichte in meinem Kopf. Ich träumte sogar nachts davon. Mein Mann kaufte die Figur und so saß sie vor meinem Laptop und ich begann zu schreiben. Ich habe genau bis zu Kapitel 9 geschrieben. Das war es.

Ich sendete Probekapitel an ein paar Verlage und bekam von 5 Anfragen drei positive Rückmeldungen. Toll dachte ich, ich fühlte mich bestätigt, lebte mein Leben einfach weiter und Sharj war nur noch eine Randfigur.

 

Wahrscheinlich schreiben Sie, wenn die Töchter in der Schule sind und Ruhe im Haus ist? Oder brauchen Sie eine Art kreatives Gemurmel im Intergrund? Manche Autoren schreiben gerne in Cafes …

Ich brauche immer sehr viel Ruhe zum Schreiben. Aber Notizen mache ich mir überall, sehe ich etwas Lustiges, mache ich mir direkt eine Sprachmemo mit dem Handy.

 

Wie sind Sie auf den Illustrator aufmerksam geworden? Haben Sie ihn selber gesucht, wurde er Ihnen vorgeschlagen? Hat er die Illustrationen nach ihren Vorstellungen erstellt? Was haben ihre Mädchen dazu gesagt?

Der Illustrator ist ein langjähriger Freund, der ebenfalls mit seiner Familie in Spanien lebt und den wir durch seine Arbeit kennengelernt haben. Als Vorgabe habe ich ihm nur die Steinfigur gezeigt und sonst hatte er freie Hand. Die Mädchen, auch die beiden Töchter des Künstlers, fanden die Illustrationen toll. Unsere Mädchen finden auch toll, dass ihre Mama ein Buch geschrieben hat. Allerdings bedauern sie die Benutzung eines Pseudonyms, weil sie jetzt nicht so richtig in der Schule angeben können.

 

Wachsen Ihre Töchter zweisprachig auf?

Unsere Mädchen wachsen jetzt natürlich zweisprachig auf. Neben ihrer spanischen Muttersprache spricht mein Mann mit Ihnen zu Hause deutsch und ich spanisch. Da beide auf eine amerikanische Schule gehen, kommt Englisch noch als dritte Sprache hinzu.

 

Wie alt sind ihre Töchter?

Wie oben erwähnt, blieb unser Ehe kinderlos. Wir versuchten zahlreiche künstliche Befruchtungen und noch mit 44 war ich schwanger. Doch immer machte eine Präeklampsie dem ganzem ein jähes Ende. So verlor ich 3 Kinder. Ich weiß nicht ob es Vorsehung, Schicksal oder einfach nur Zufall ist. Wir bewarben uns um ein Pflegkind, da wir mittlerweile zu alt für eine Adoption waren. Und im Dezember 2013 stellte man uns zwei Mädchen vor die schon seit 2 Jahren in dem Heim lebten. nach der Eingewöhnungsphase zogen sie im Juni 2014 bei uns ein. Mittlerweile sind sie 8 und 10 Jahre alt.

Und so wurde die Geschichte von Sharj für mich auch ein Medium Danke zu sagen. Danke dass ich zwei wundervolle Töchter haben darf, die mich jeden Tag aufs Neue inspirieren. Es klingt abgedroschen, aber erst durch die beiden Wildfänge ist mein Leben komplett.


Lesen Ihre Töchter gerne? Auch Fantasy? Was sind die Lieblingsbücher ihrer Töchter?

Die Lieblingsbücher meiner beiden: Harry Potter , Hanni und Nanni, Eragon und alles rund um Vampire. 

 

Fingerhut-Lichtung

Fingerhut-Lichtung

Auf ihr Buch wurde ich durch die Illustrationen aufmerksam. Sofort hatte ich eine Idee, in welchem Kontext ich das Buch fotografieren könnte: Auf einer Lichtung mitten im Wald bewunderte ich schon seit längeren eine wilde Fingerhut-Wiese. Fingerhut, obwohl sehr giftig, hat etwas magisch Schönes. In- „Fingerhut-Sommer“ von Ben Aaronovitch (magischer Krimi) spielt eine Fingerhutwiese auf einer Waldlichtung eine Rolle, sie ist ein Portal in eine andere Welt. Wäre das nicht auch eine schöne Idee für einen ihrer nächsten Bände?

Ihre Idee mit der Fingerhut-Wiese gefällt mir. Giftig und magisch schön könnte sowohl für Bösewicht Otto als auch Sharj interessant sein …

 

In Ihrem Buch kommt Ferranium, ein blauschimmerndes Kraut zur Wundheilung und Unverwundbarkeit, vor. Dabei musste ich an eine Kombination zwischen Ferrum (Eisen) und dem sehr giftigen blauen Eisenhut (Aconitum) denken. Wie kamen Sie auf Ferranium? Kennen Sie sich mit Pflanzen aus?

Die Namen im Buch haben teilweise lateinischen Hintergrund. Wie Sie richtig gesehen haben, ist das erfundene Ferranium genau eine Mischung aus den beiden Wörtern Ferrum und Aconitum. Aber auch der Name Maloc enthält „malo“, was auf Spanisch böse bedeutet. Stumps – stupid; Amur-Amor, etc. Sharj ist reine Fantasie und José als Spanier hat  mit meinem persönlichen Hintergrund zu tun.

 

Sicherlich haben auch Ihre Töchter Sie bei der Geschichte inspiriert? Gibt es eine Figur in diesem Buch, die von einer Ihrer Töchter „erdacht“ wurde?

Die beiden haben sehr dazu beigetragen. So stammten von ihnen die Ideen, dass der Troll giftige Pilze gegessen haben soll und auch der Kuss.

 

Dadurch, dass Sie in Spanien leben, kamen Sie auch sicherlich auf die Figur des „Jose“?

und José als Spanier hat  mit meinem persönlichen Hintergrund zu tun.

 

In welchem Alter stellen Sie sich Sharj und Jose vor? Immerhin gibt es einen kleinen keuschen Kuss am Schluss? Oder verrät der Zeitpunkt der vor 15 Jahren ermordeten Frau etwas?

Die beiden Protagonisten sind 15 Jahre alt. Und ja die Geschichte hatte ich vom Ausgang her so grob im Kopf. Beim Schreiben haben die Figuren ein Eigenleben entwickelt und oftmals hat es sich in eine andere Richtung entwickelt. Also ehrlich, ich wollte doch keinen Troll grillen J .

 

 Prinz Amur hat sich in der realen Welt in einen Hasen verwandelt. Wenn ich jetzt frage „Warum ausgerechnet in einen Hasen?“ gibt es da eine eindeutige Antwort? Obwohl es doch sehr mutig von Amur war, seine Welt zu verlassen! Parallel und doch gegenteilig dazu verwandelt sich der eher zurückhaltende Jose in einen gefährlichen Drachen … Ich hoffe nicht, das in weiteren Bänden Prinz Amur ein „Hasenfuss“ wird …?

Meine Ausgangsfiguren waren Sharj und José als Fabelwesen. José als Drache stellt Stärke dar. Somit habe ich ihm in der realen Welt eher einen ängstlichen Charakter angedichtet, welchen er auch noch zu Beginn als Drache hat. Im Gegenzug Amur, der mutige Ziehsohn des König Sloma. Er muss in der realen Welt etwas kleines niedliches sein. Etwas, das ein junges Mädchen unbedingt retten möchte. Was liegt da näher als ein kleiner Hase, der dazu auch noch unbemerkt in ein Auto hüpfen kann und eine überaus empfindliche Nase hat.

 

Auf den ersten Seiten werden die Charaktere vorgestellt. Mir fiel auf, dass Jose auf der „eher bösen Seite“ dargestellt wird … Zufall? Versehen? Absicht? Okay, Swap und Mona sind (noch?) nicht richtig böse, aber wer weiß was kommt?

Bei der Vorstellung der Charakter haben wir nicht an gut und böse gedacht, sondern nur versucht, sie auf zwei Seiten darzustellen. Sharj und José sind als Hauptfiguren oben.

 

War für Sie von Anfang an klar, dass es eine Reihe wird? Haben Sie die Geschichte schon komplett im Kopf und sie muss nur noch auf Papier gebracht werden? Können Sie sich vorstellen, wie viel Bände es geben wird?

Es sind 3 weitere Bände geplant. Dass es mehrere Bände geben wird, wurde mir erst mitten in der Geschichte klar. Natürlich wird mancher Hinweise aus dem ersten Band noch an Bedeutung gewinnen. Bei den Bänden spielen die Elemente eine Rolle. Es werden in sich abgeschlossene Geschichten sein. Mehr will ich noch nicht verraten.

Ab 17.07.2016 beginnt der Hörbuchverkauf. Ich habe selbst gelesen.

 

„Teil 2 ist schon im Werden“. Wann ist die Veröffentlichung geplant?

Wenn alles läuft wie geplant, könnte der zweite Band schon an Weihnachten 2016 auf dem Gabentisch landen.

 

Hier der Link zu meiner Rezension: https://kibureich.wordpress.com/2016/06/29/harings-audrey-sharj-und-das-wasser-des-lebens-band-1/

 

Ich bedanke mich für ihre Geduld zur Beantwortung meiner vielen Fragen.

Herzliche Grüße

Kibureich-Blog

 

 

 

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Ein Kommentar zu “Harings, Audrey – Interview zu „Sharj und das Wasser des Lebens“

  1. Pingback: Harings, Audrey – Sharj und das Wasser des Lebens (Band 1) | kibu-reich

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