Steinhöfel, Andreas – Beschützer der Diebe

Steinhöfel, Andreas Beschützer der Diebe 3-551-55080-8 Carlsen

Steinhöfel, Andreas
Beschützer der Diebe
3-551-55080-8
Carlsen

Inhalt:

Ein Zettel mit ein paar Zahlen und Buchstaben, darunter eine unregelmäßige Zickzack-Linie. Das ist alles, was Guddie, Olaf und Dags in den Händen haben, um eine zufällig beobachtete Entführung aufzuklären – die ihnen leider niemand glaubt. Unbeirrt machen sich die drei daran, den Fall zu lösen. Eine atemlose Jagd durch Berlin beginnt, die ihnen jede Menge Abenteuer und eine heiße Spur beschert – und die ganz nebenbei ein neues Licht auf ihre Freundschaft wirft …

Meine Meinung:

Auf dieses Buch wurde ich durch den Autorennamen aufmerksam (Steinhöfel hat auch „Rico und Oskar“ geschrieben), zudem kam mir der Titel bekannt vor. Es stellte sich aber dann heraus, dass ich es mit dem Buch „Herr der Diebe“ von Cornelia Funke (wurde verfilmt) verwechselt habe.

Das Buch handelt von drei Kindern, die in Berlin ein Abenteuer erleben, als ein gewissenloser Geschäftsmann ein Kunstwerk aus dem Pergamon Museum stehlen will. Dag, Guddie und Olaf stellen Nachforschungen an und bringen sich am Schluss in große Gefahr.

Die Geschichte bietet dem jungen Leser vieles an. Da ist die 13-jährige Guddie, die aus einer Kleinstadt bei Frankfurt mit ihrer Mutter nach Berlin zieht, nachdem ihre Eltern sich scheiden gelassen haben. Guddie hat Probleme sich in der Stadt zurechtzufinden, hat noch keine richtigen Freunde gefunden, auf der Schule ist noch einiges ungewohnt und auch die Scheidungs-Situation belastet sie. Olaf, ein gleichaltriger Junge, hat ganz andere Probleme, er hört Stimmen im Kopf, die ihn zu Diebstählen anleiten. Er kommt aus einem reichen Elternhaus, sieht seine Eltern aber kaum und erhält nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit. In Dags Familie ist alles in Ordnung, ihr Vater ist Wissenschaftler und das hat auf sie abgefärbt: sie experimentiert sehr gerne, liest viel und versucht ihre Ratte Romeo zu dressieren. Mit ihrer Intelligenz eckt sie aber oft an. Man sieht, jeder der Dreien hat mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Dazu sind es alle Teenager und eine kleine Liebelei bahnt sich an, und Konflikte die sich aus allen ihren Problemen und Nöten zusammensetzen, sind natürlich vorprogrammiert.

Der Handlungsort ist zum großen Teil rund um das Pergamon-Museum in Berlin. Erwachsene Berlin-Kenner werden sicherlich die ein oder andere Ecke beim Lesen erkennen, und Kinder kann so Berlin und das Museum näher gebracht werden.

Ganz wie nebenbei wird interessantes historisches Wissen vermittelt, sei es nun im Pergamon-Museum oder in Berlin selber. Auch die Bedeutung einiger Fremdwörter wird wiedergegeben, da die intelligente Dag ihre Freunde damit nervt.

Anschaulich kann sicherlich die Tatsache sein, dass es in der Geschichte kein Handy oder Recherchen am Computer gibt. Das Buch ist von 1995 (?), und so schleicht sich auch noch das ein oder andere Relikt aus der DDR-Zeit ein, wie z.B. ein Trabbi (obwohl es den ja heute auch noch zu sehen gibt) oder architektonische Besonderheiten. Die Relikte beziehen sich auf die Zeit 2-3 Jahre nach dem Mauerfall. Bezahlt wurde noch in DM, nicht in Euro.

Ein Spannungsbogen zieht sich durch Beobachtungen und Verfolgungsjagten in ganz Berlin so ziemlich von Anfang bis Ende. Und am Schluss wird es richtig gefährlich.

Fazit:

Die Geschichte hat einen ruhigen und -im positiven Sinne- spröden Erzählton. Sie lässt sich einfach lesen. Aber gerade bei den Problemen der Kinder oder bei den zwei Verliebten hätte ich mir einen weniger knappen Schreibstil gewünscht. Besonders interessant empfand ich das Setting in Berlin, und ich liebe einfach kulturhistorische Aspekte in Kinderbüchern, wie hier vom Pergamon-Museum. Dies wäre eine Möglichkeit vor oder auch nach einem evtl. Urlaub in der Hauptstadt Kinder mit diesem literarischen Lesefutter zu versorgen. Es erinnerte mich ein wenig an Erich Kästners „Emil und die Detektive“ (siehe Rezension https://kibureich.wordpress.com/category/autor/kaestner-erich/ ). Ganz nebenbei wird verschiedenartigstes Wissen vermittelt, das Interesse an Kulturgütern geweckt und einige Fremdwörter erklärt. Auch werden etliche Probleme im Teenager-Alter angesprochen wie erstes Verliebtsein, Diebstahl, Probleme mit Eltern und Geschwistern und verschiedene Familienkonstellationen.

Alles in allem ein solides Kinderbuch das auf mehreren Ebenen anspricht. Es ist Lesefutter für Wissbegierige Kinder und ebenso für solche, die Abenteuer und Detektivromane mögen.

 

Ausführlicher Inhalt:

* * *Vorsicht Spoiler * * *

Dagmar:

Genannt Dag, 12 Jahre, rotbraune Locken, rundes Gesicht, blaues + braunes Auge, intelligent, etwas überheblich, mag Experimente, besserwisserich, anführerhaft, Vater ist Wissenschaftler, sie soll sich um Guddie „kümmern“.

Romeo:

Dag’s Ratte aus dem Labor des Vaters gerettet, schwarz-weiß gefleckt,

Gudrun:

Genannt Guddie, blonde lange Haare, gut aussehend, eher schweigsam, zurückgezogen, neu in der Stadt, Eltern haben sich getrennt, Vater hat kein Interesse an ihr, Cousine von Dag,

Olaf:

13 Jahre alt, hört Stimmen im Kopf die ihn zum Diebstahl auffordern, reiche Eltern die sich jedoch nicht richtig um ihn kümmern,

Berlin:

Treptower Park, Hausvogteiplatz, Museumsinsel, Kolk, Kupfergraben, Pergamon-Musuem …

Fremdwörter:

z.B.: Faible, rekapitulieren, reproduzieren, Alopecia Rondata, Kolk,

 

Ausführlicher Inhalt:

Die Geschichte beginnt mit einem Ladendiebstahl, Olaf wird erwischt, kann aber im letzten Moment entkommen. Auf dem Fluchtweg rennt er Guddie um, die sich gerade gebückt hatte, um etwas aufzuheben. Die beiden sind sich sympathisch und kommen gleich ins Gespräch. Sie warten zusammen auf Dag, da diese versprochen hat, mit Guddie in den Zoo zu gehen. Als alle da sind, überredet Olaf die Mädchen, etwas aufregenderes zu machen: Detektiv spielen. Jeder soll sich eine Person aussuchen, diese zwei Stunden verfolgen und so viel wie möglich über sie herausfinden.

Guddie beobachtet einen Mann, der sie an ihren Vater erinnert. Sie verfolgt ihn bis ins Pergamon-Museum und als er wieder herauskommt, muss sie mit ansehen , wie dieser entführt und in einen schwarzen Wagen gezerrt wird. Der Mann lässt einen Zettel auf den Boden fallen, ein Hinweis. Sie kann es kaum fassen. Zurück am Treffpunkt erzählt sie Dag und Olaf davon und sie beschließen, die Polizei zu informieren. Diese glaubt ihnen nicht, und so fangen sie dann selber mit Nachforschungen an. Erster Anhaltspunkt ist die mysteriöse Botschaft auf dem Zettel: „KEM 5018“ und ein Dreieckzackenstrich ist zu sehen.

Dag hat während eines Gespräches mit ihrem Vater eine Idee, sie denkt, KEM könnte für Kempinski Hotel stehen, 5018 für die Zimmernummer. Sie beschließt, irgendwie dieses Zimmer zu durchsuchen.

Während dessen besuchen Guddie und Olaf das Pergamon-Museum, um vielleicht bei den Ausstellungsstücken einen Hinweis auf die Zackenkrone zu erhalten. Leider erfolglos. Im Museums-Shop stöbern sie noch ein wenig in den Büchern und kaufen schließlich eines, um zu Hause anhand der Fotos weitere Recherchen zu unternehmen. Unterwegs beschließen sie aber, dem Fotografen, der in dem Buch genannt ist, einen Besuch abzustatten, da Guddie auf einer der Fotografien einen Mann erkannt hat, der zu den Entführern gehört. Der Fotograf heißt Bernd Wörlitzer und lebt mit seinem Freund in einer Beziehung. Olaf hat damit große Probleme und macht später dumme Bemerkungen dazu, aber Guddie sagt ihm darauf gleich die Meinung. Jedenfalls bekommen sie heraus, dass der Entführer als Bodyguard für einen reichen Unternehmer arbeitet, der auch in der Modebranche tätig ist, Mervyn Griffith. Dieser ist in dunkle Geschäfte verwickelt und bald stellen sie fest, dass dies der Mann ist, bei dem Dag in der Suite des Kempinski Hotels war.

Dag hat Glück im Unglück. Sie kommt durch einen Trick in das Zimmer hinein, wird dann aber von den Bewohnern überrascht und kann sich hinter einem Sofa verstecken. Sie muss lange ausharren und steht große Ängste aus, entdeckt zu werden. Das luxuriöse Zimmer gehört einem Mann und einer Frau, sie sprechen übers Heiraten. Als das Telefon klingelt, kann Dag einem Gespräch lauschen, das sie in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Anscheinend hat dieser Mann mit der Entführung des Mannes vor dem Pergamon-Museum zu tun, denn er beauftragt, diesen zu töten! Dag wird es Angst und Bange, und als schließlich noch Romeo, ihre Ratte durchs Zimmer läuft, ist sie kurz vor einem Herzinfarkt vor Angst. Haarscharf kann sie aus dem Zimmer entkommen.

Die drei haben sich viel zu erzählen, aber zunächst kommt eine Blinddarmentzündung von Guddies Mutter dazwischen. Da Guddie nichts tun kann und sie erst wieder am nächsten Tag nachmittags besuchen darf, macht sie sich mit anderen an die Verfolgung von Mervyn Griffith. Dag hat eine ältere Bekannte ihrer Familie organisiert, Inge Warlatzke, damit sie Griffith mit dem Auto folgen können. Natürlich erzählen sie Inge nicht die Wahrheit. Diese kennt sich in Berlin gut aus, weil sie Stadtführerin ist und als Griffith endlich zu seiner Verabredung kommt, erkennt sie den anderen Mann. Es ist ein Berliner Politiker, Kultursenator Röhricher. Damit Guddie nicht vom Bodyguard erkannt wird, muss sie im Auto bleiben, Inge geht sich die Beine vertreten und Dag und Olaf belauschen das Treffen zwischen Griffith und Röhricher. Guddie steigt dann aber aus Langeweile und weil es im Auto nach „Alt-Dame“ riecht, aus, und läuft prompt dem Bodyguard in die Arme. Sie flüchtet sich in eine nah gelegene Kirche und rennt dummerweise den Turm hinauf, hier gibt es kein entkommen. Panisch steigt sie hinter die Brüstung, um sich dort in schwindelerregender Höhe zu verstecken. Sie hat Glück, denn Dag und Olaf kommen gerade zurück, sehen sie oben an der Kirche und laufen sofort hin. Damit keine Aufmerksamkeit entsteht, macht der Bodyguard einen Rückzieher.

Kultursenator Röhricher hat einen Termin zu einer Schiffstaufe, und Dag und Olaf wollen ihm dort den Koffer mit den Papieren stehlen, um herauszufinden, welches fiese Geschäft er mit Griffith machen will. Dies klappt auch, jedoch sind keine Papiere im Koffer und sie bringen ihn wieder zurück. Dabei läuft Olaf dem Kaufhausdetektiv in die Arme, wieder flüchtet er, aber dieses mal wird er erwischt. Der Kaufhausdetektiv will die Adresse seiner Eltern, und Olaf gibt ihm die Adresse des Fotografen Bernd Wörlitzer. Währen dessen überlegt Dag, ob sie Guddie davon erzählen soll. Guddie und Olaf sind verliebt, so richtig mit anhimmeln, kribbeln im Bauch, lächeln usw. … Dag hatte mit einer ähnlichen Geschichte und ihrem Bruder schon mal sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Sie hat daraus gelernt und beschließt, Guddie nichts von dem Kaufhausdetektiv zu erzählen, das soll ihr Olaf selber gestehen.

Guddie findet derweil zu Hause anhand des Buches heraus, was die Dreieckskrone bedeuten soll: Das Markttor von Milet. Ebenso hat Dag einen Geistesblitz, als sie ein Buch von Inge durchschaut, das geheime Lagepläne des Architekten Ludwig Hoffman enthält.

Olaf, der nun ein schlechtes Gewissen hat, zieht Bernd Wörlitzer am nächsten Tag ins Vertrauen. Dieser ist sehr verständnisvoll. Kurze Zeit später hat Olaf wegen eines anderen Problems trotzdem eine Auseinandersetzung mit seinem Eltern. Hier erfährt der Leser endlich etwas, was immer nur angedeutet und wie Geheimnis war. Olafs Eltern sind tatsächlich reich.

Am Schluss geht es sehr rasant zu. Um dem wahnsinnigen Diebstahl des Tores von Milet zu verhindern, begeben sich die Kinder auf alten Geheimwegen ins Museum. Sie wollen Beweise sammeln, um diese der Polizei zu übergeben. Sie sehen Griffith und Kultursenator Röhricher und ertappen sie auf frischer Tat. Olaf vergeht fast vor Angst, und blieb schon vorher zurück. Dag wird schließlich erwischt. Guddie kann entkommen, findet den vor Angst erstarrten Olaf und rennt mit ihm durch den Geheimtunnel des Kolk, als Olaf plötzlich einbricht und in die Tiefe fällt. Guddie holt Hilfe, Krankenwagen, Polizei und alle Eltern kommen.

Allerdings ist Dag verschwunden. Sie wird von Griffith, der entkommen konnte, auf ein Schiff verschleppt, hier wird sie zu dem entführten Mann vom Pergamon-Museum gebracht und mit ihm eingeschlossen. Mit Hilfe von Romeo gelingt es ihnen, nach dramatischen und angsterfüllten Stunden zu entkommen, im selben Moment, als auch die Polizei das Schiff findet.

Ende gut alles gut. Olafs Stimme im Kopf ist weg. Er und Guddie sind ein Pärchen. Dag ist begeistert, weil die Dressierrung von Romeo geklappt hat.

Im Nachwort erwähnt Andreas Steinhöfel das geologische Phänomen des Kolks unter dem Pergamon-Museum. Ein Hinweis darauf erhielt er aus dem Buch von Renate Petras: Die Bauten auf der Berliner Museumsinsel

 

 

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Ein Kommentar zu “Steinhöfel, Andreas – Beschützer der Diebe

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